Ingolf Turban, ein Teufelskerl

Einen Geiger wie Ingolf Turban erlebt Kempten nicht alle Tage. Seine Spritzigkeit, sein Intellekt, sein voluminöser Ton – kurz sein Charisma berauschten im Rahmen der Meisterkonzerte….
…. Höhepunkt in Teil eins waren aber zweifelsohne Paganinis Variationen über das Volkslied „O Mamma, mamma cara“ op. 10. Das populäre Thema, hierzulande bekannt unter dem Namen „Mein Hut der hat drei Ecken“, wird in alle erdenklichen Varianten gezwängt. Turban stellte höchstes artistisches Violinspiel zur Schau und begeisterte mit Drive, hochexzellenter Bogenbeschleunigung und – beherrschung sowie famosem Spiccato. Auch zeigte sich der Interpret als Virtuose in persönlicher Bestform: Linke-Hand- oder beidhändiges Pizzikato, Oktaven-, Dezimen und Flageolett-Griffe hatte dieser Mann wie selbstverständlich drauf und setzte Maßstäbe.
ALLGÄUER ZEITUNG

Alban Berg, Violinkonzert
Glänzender Start in die neue Konzertsaison

…Alban Bergs Violinkonzert mit dem Solisten Ingolf Turban wurde zum Erlebnis.
Turban spielte sich nie in den Vordergrund, mit seinem warmen und doch auch zupacken-
den Ton verwob er sich geradezu mit dem in allen Gruppen hervorragend agierenden Or-
chester. ….. Keine Spur von Kitsch etwa bei der Wiederholung des Volkslied-Motivs,
keine romantische Überhöhung, wenn sie nicht sinnvoll war. So ergab sich eine zu Her-
zen gehende Wiedergabe dieses wunderbaren Konzertes.
LÜBECKER PHILHARMONIKER AM 11.09.2005

Geheimnisvoller Beethoven – Trios auf Schloß Johannisberg
Rheingau Festival 10.07.2005

Es hatte von Anfang an etwas Besonderes, Außergewöhnliches: Schon der kleine Augenblick mehr, den sich der Pianist Alfredo Perl, der Geiger Ingolf Turban und der Gellist Guido Schiefen nahmen, um sich zu sammeln und Beethovens „Erzherzog“-Trio B-Dur op. 97 aus vollkommener Ruhe heraus zu beginnen, letzte an diesem Abend im Rahmen des Rheingau Musik Festivals auf Schloß Johannisberg den ersten, wichtigen Akzent. Beinahe andächtig tauchte das Trio in die Klangwelt dieses außergewöhnlichen Werkes ein; lange Zeit schien es sich in dieser Wiedergabe nicht gänzlich zu offenbaren, etwas Mysteriöses, Geheimnisvolles zu bewahren. Diese drei international aktiven Musiker bilden offenbar keine feste Trio-Besetzung, sondern sind Solisten, die sich für das Festival zusammengefunden haben. Um so frappierender erschien die Homogenität, mit der sie sich als Ensemble darstellten: Das Zusammenspiel war von enormer kommunikativer Dichte, klanglicher Noblesse und erstaunlicher Präzision geprägt: Im Erzher-zog-Trio, aber auch in Schuberts „Notturno“-Triosatz Es-Dur D 897 hielt ein enormer Grad an dramaturgischer Stringenz und detaillierter Ausarbeitung die Zuhörer in Atem. Besonders auffällig die Gestaltung der extremen Ausdrucksgegensätze, so etwa die chromatisch-nebulösen, fugatoartigen Moll-Teile im Scherzo bei Beethoven oder – bei Schubert – die Charakterisierung des kraftvollen zweiten Themas gegen die komponierte Stille der Rahmenteile. Enorme Brillanz und fesselnde Inspiration schließlich bestimmten die Wiedergabe von Maurice Ravels Klaviertrio. Ein grandioser Abend.
JOW, FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG

Ingolf Turban mit unterschiedlichen Kammermusik-Aktivitäten

Gleich mehrfach fällt in der letzten Zeit der Geiger Ingolf Turban mit seinen kammermusikalischen Aktivitäten auf. Bei Hänssler Classics erschienen nun in den Serien „Musica rara“ und „Faszination Musik“ gleich zwei CDs, die programmatisch aufhorchen lassen. Beide CDs zeigen Turbans Beschäftigung mit Musikgeschichte für sein Instrument. Da spielt auf der erstgenannten Ingolf Turban mit Jascha Nemetsov am Flügel unter dem Titel „À Capriccio“ Werke von Joseph Achron (CD 98.438 / Naxos), dessen  Nachlass in der israelischen Staatsbibliothek in Jerusalem  liegt. Achron,   ein    Freund   von   Jascha Heifetz, wuchs in dem polnisch-litauischen Städtchen Schtetl in einem traditionellen    jüdischen    Milieu    auf,    erhielt    vom    Vater Geigenunterricht und hatte – ebenso wie Heifetz – Interesse für jüdische Musik. Und so hört man hier die Weltersteinspielung von Achrons „Suite bizzare“ mit ihren neun Sätzen, die bei aller violinistisch gedachten Ausgestaltung spätromantischen Zugriffs auch das jüdisch-folkloristische Element erkennen  lässt. Und dass Achron auch als Bearbeiter nicht untätig blieb, zeigen dann die Capricen für Violine und Klavier, die Achron von Paganini für das Duo- Spiel genial adaptierte. Turban spielt die Werke mit einer inneren Überzeugung  und  Innbrunst, die erkennen lässt, welche Herzenslust es ihm ist, diese Art der Musik zu präsentieren.
Und einen Schritt weiter geht Turban mit seinem BegleiterNemtsov auf der anderen CD („Hebrew Melodies“ CD 93.O28 / Naxos), auf der er nun neben Achron auch Werke von Alexander Weprik, Joel Engel, Lazare Samionsky und Alexander Krejn präsentiert, die nun ausschließlich die hebräische Melodiewelt zugrunde legen. Doch Turban ist niemals untätig. Mit seinem in München gegründeten Kammerorchester „l Virtuosi Di Paganini“ hat er schon mehrfach auf sich aufmerksam gemacht, wenn es um die Werke des „Teufelsgeigers“ geht. Doch nun legt er bei Telos eine CD unter dem Motto „II Maestro e lo Scolaro“ vor, die das musikalische Verhältnis zwischen Paganinis kammermusikalischen Werken zur Selbstdarstellung und denen seines Schülers Camillo Silvori aufzeigen (Telos Music 115 / Klassik Center). Dass die Werke Sivoris dabei Ersteinspielungen darstellen, macht die vorliegende – neben der dramatisch faszinierenden Leichtigkeit, mit der Turban und sein Orchester die zum Teil extra für diese CD für Kammerorchester bearbeiteten Werke Paganinis spielen – zu einer Konzept-CD, die aufhorchen lässt. Vor allem, da Silvori einen vollkommen anderen Zugriff, eine vollkommen andere Behandlung der Violine als Soloinstrument heraufbeschwört als sein Lehrer Paganini. Diese CD sollte man sich wirklich anhören.
ENSEMBLE  4/2005

Ingolf Turban und  „I Virtuosi di Paganini“
In inniger Hingabe für Paganini

…Programm mit allem: Es folgte der von Paganini kreierte effektvolle Kunstgriff der um eine Terz hochgestimmter  G-Saite – mit der Sonate in Variationen über die „Moses-Predigt“ in es-moll. Das schwelgende, verspielte Thema mündete in ungeahnte Höhen, steigerte sich in aberwitzigem Tempo. Geigen-Genie Turban ließ den Bogen tanzen, bevor ihm das Publikum endgültig zu Füßen lag.
Man wünschte sich, dass dieser betörende Fluss nie ende; Mit ergreifender Expressivität brachte der Virtuose die schlichte Schönheit der Sivori-Romanze „La Preghiera“ zum Leuchten, vor den augenzwinkernd, mit Höllentempo dargebrachten Variationen der Paganini-„Palpiti“….
….Stehende Ovationen, Getrampel. Nichts für Puristen, ein Konzert für Romantiker.
MÜNCHNER MERKUR  16.03.2005

„Paganinis Schatten in Schumanns Schaffen“

….Ingolf Turban, der bereits den größten Teil der Violinkonzerte von Paganini mit dem WDR-Rundfunkorchester Köln auf CD eingespielt hat, verblüffte bei der technischen Bewältigung der Capricen“ nicht nur durch makellos virtuose Brillanz. Er ließ in einem kurzen Kommentar zu Beginn des Konzerts auch aufhorchen durch intellektuelle Einsichten in das Programm. Einsichten, die Schumann zu seinem op, 10 selber schon angedeutet hatte, und die dann Giovanni Bria auch pianistisch souverän hörbar werden ließ: Er (Schumann) habe ≥in diesen Capricen .. .das Tiefere und Poetische Paganinis im Auge“. Dass beide Künstler diesen Aspekt nie aus den Augen verloren, machte den Abend zu einem musikalischen Ereignis mit historischer Dimension…
Manfred Osten
GENERAL-ANZEIGER, BONN, 29.01.2005