paganini_cd_130

Konzerte für Violine und Orchester
Nr. 2 h-moll op. 7 und Nr. 4 d-moll
WDR Rundfunkorchester Köln,
Lior Shambadal – Dirigent
Telos 047

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  1. Stern des Monats im FONO FORUM
     Paganini, Niccolo
    Violinkonzerte Nr. 2 & 4
    Ingolf Turban, WDR RO Köln, Shambadal

    Mehr Musik, als man glaubt

    Wohl kein Interpret der jüngeren Ge­neration hat sich in den letzten Jah­ren derart gewissenhaft und geigerisch kompetent um das Werk Niccolò Paganinis bemüht wie Ingolf Turban. Übrigens auch um andere Komponisten, die nach einem Virtuosen der Extraklasse verlangen, wie et­wa Heinrich Wilhelm Ernst oder Karl Amadeus Hartmann. Nach den Paganini-Violinkonzerten Nr. l und Nr. 3 legt Turban bei Telos nun die Konzerte Nr. 2 und Nr. 4 vor, als zweite Folge seiner Gesamtaufnahme mit dem WDR-Rundfunkorchester Köln unter Leitung von Lior Shambadal.

    Turbans Paganini klingt überaus ton­schön, kantabel und kristallklar. Hier spielt kein Draufgänger mit offenem Hemd und fliegenden Haaren, sondern ein wissender Musiker mit einem überragenden geigeri­schen Können. Turban veredelt die Musik Paganinis förmlich; da klingt nichts banal (auch im Orchester) und nur nach sportli­cher Violingymnastik. Natürlich steht Tur­ban völlig über den Dingen, und der Hörer fühlt sich beglückt bei einem derartigen Triumph über die Materie. Hier kann man sich entspannt zurücklehnen und auch die vertraktesten Passagen genießen – ohne je einen „Absturz“ fürchten zu müssen. Aber letztlich lenkt Turban das Ohr auf die Mu­sik. Und davon steckt mehr in Paganinis Partituren, als man vielleicht glauben mag.

    Kein Zweifel: Ingolf Turban gehört zu den ganz großen Paganini-Interpreten. Er steht – in seiner dezidiert persönlichen Art und Weise – in einer Reihe mit Prihoda, Ricci, Rabin, Ashkenasi und Accardo. Ingolf Tur­ban, ein Paganini-Spezialist? Vielleicht. Aber Mozart spielt er ebenso feinsinnig.

    FONO FORUM, April 2005, Norbert Hornig